Das Varroaproblem

 


Seit der Einschleppung der Varroamilbe steht die moderne Imkerei vor einem Problem, bei dem fieberhaft nach Lösungen gesucht wird. Es wird nach effektiveren Behandlungsmitteln geforscht und versucht Varroaresistente Bienen zu züchten. Doch bisher ohne nennenswerte Erfolge. 
Nach wie vor haben Imker teils massive Verluste bei ihren Bienen zu beklagen. Viele fragen sich, wieso es nach so vielen Jahren immer noch keine durchgreifenden Erfolge bei Zucht oder Bekämpfungsmittel gibt.
Immer mehr Imker und Wissenschaftler vermuten, dass die Bekämpfung der Milbe selbst einer langfristigen und nachhaltigen Lösung des Problems im Wege steht.
Aber auch die Ausübung unserer modernen Imkereimethoden und Ziele bei der Züchtung scheinen einer Anpassung der Bienen im Wege zu stehen.
Im Zuge der Industrialisierung, Wirtschaftswachstum und Konkurenzkampf wurde auch in der Imkerei Systeme und Betriebsweisen entwickelt, um die Honigproduktion immer effektiver und ertragreicher zu machen. Könnten die Imker früher aus ihren Strohkorben oder Klotzbeuten 10-20kg Honig ernten, erwirtschaftet ein Bienenvolk heute in modernen Magazinbeuten, durch die Verwendung von künstlichen Waben der Gabe von Futterersatz und hoch gezüchteten Wirtschaftsköniginnen  5 - 10 Mal soviel.
In Anbetracht, dass ein Bienenvolk für sich selbst etwa 10-20kg Honig benötigt ist dies eine imense Leistung.
Doch zu welchem Preis? Wird bei der Zucht auf Ertrag und Friedfertigkeit gesetzt, bleiben zwangsläufig ander Eigenschaften der Bienen auf der Strecke, welche jedoch die Natur den Bienen nicht ohne Grund mit auf den Weg gegeben hat. Wer nur noch bestrebt ist Vorräte zu sammeln, hat z.B. keine Zeit sich auszuruhen um Gesundheit oder Eindringlinge zu kümmern. Das ist wie bei uns Menschen, wenn wir ständig unter Stress stehen, sind wir anfälliger für Krankheiten.
Der Sammeleifer der Bienen wird durch den Imker noch verstärkt in dem man den Bienen künstliche oder vorgefertigte Wachswaben gibt oder durch Zwischenernten animiert noch mehr Honig zu sammeln.
Geht der Nektareintrag zu Ende werden nahezu alle Honigvorräte geerntet und den Bienen Ersatzfutter in Form von Industriezucker gegeben. Diesen müssen die Bienen nun wiederum in ihren Waben einlagern. Heute weis man, dass Bienen ducrh Zuckerwasser anfälliger für Krankheiten und allgemein nicht so lang leben.
Diese Methoden, der auf Ertrag maximierten Imkerei hat unsere Bienen an den Rand ihrer Belastbarkeit gebracht. Und dies schon bevor das Problem mit der Varroamilbe hinzukam. Pestizide, Umweltgifte und Fremdstoffe in den Wachsplatten kommen noch erschwerend dazu.
Als dann die Varroamilbe eingeschleppt wurde und auf einen Wirt traf der sie als Feind nicht kannte und sich ohnehin schon am Limit seiner Belastbarkeit befand, waren die Auswirkungen verherrend.
Die Bestände der Imker brachen im Zuge der Verbreitung der Milbe massiv zusammen. Es wurde nach schnellen Lösungen gesucht um die wirtschaftlichen Schäden zu begrenzen. Seitdem werden die Bienen mit verschiedenen Mitteln, die die Milbe bekämpfen behandelt, um die Honigbienenvölker am leben zu halten.
Doch all diese Mittel zur Bekämpfung der Milbe haben zwei große Nachteile. Erstens: Sie schädigen nicht nur die Milben, sondern auch die Bienen und dies führt zu noch schwächeren und anfälligeren Volkern. Verabreicht man zu viel der Mittel, können die Völker oder deren Königinnen sterben. Gibt man zu wenig, gewinnt die Milbe wieder die Oberhand und das Volk stirbt auch. Deswegen sterben nach wie vor immer noch viele Völker, obwohl sie behandelt werden.
Der Zweite Nachteil der Behandlungen hat noch weitreichendere Folgen: Völker in denen die Milben durch Behandlungsmittel bekämpft werden, können es nicht lernen, den Parasiten selbst zu bekämpfen, denn eine natürliche Auslese findet nicht statt.
In den letzten Jahren gibt es zrotz alle dem, bei Forschungsreihen und einzelnen Imkern immer mehr Aussichten auf erfolgreiche nachhaltige Lösungen im Kampf gegen die Milbe. Oder besser gesagt auf ein Leben mit der Milbe. Denn Selbst wenn irgendwann Mittel zur effektiven Bekämpfung gefunden werden, oder eine Superbiene gezüchtet wird, die sich gegen die Milbe wehrt bei gleichbleibender Wirtschaftlichkeit, bleibt das Problem, das die Bienen an der Belastungsgrenze angekommen sind. Und schon die nächste Krankheit oder der nächste Parasit würde die Imkerei vor das gleiche Problem stellen wie heute.
Es gibt immer mehr Imker die sich entschließen, auf eine Behandlung zu verzichten. In Wales gibt es sogar ein ganzes Gebiet in dem nicht mehr behandelt wird. Diese Inker berichten, dass ihre Bienen mit der Milbe leben und ihre Bestände stabil sind. Auch in der freien Natur werden immer mehr wild lebende Honigbienenvölker gefunden, die schon jahrelang selbständig überleben.


Nun stellt sich die Frage: Wieso schaffen es Bienenvölker in der Natur oder bei einzelnen Imkern trotz der Milbe zu überleben. Wie es aussieht, haben die Bienen die Fähigkeit sich selbst zu helfen und lernen es relativ schnell, sich an die Gefahr durch die Milbe anzupassen. Dies wird auch immer mehr durch Wissenschaft und Forschung bestätigt. Welche Voraussetzungen brachen die Bienen, um diese Fähigkeit zu entwickeln?
Alle Berichte über Bienen die mit der Milbe lebensfähig sind haben eins gemeinsam. Die Bienen werden artgerecht gehalten. Das Vorbild dabei liefert die Natur. Sie benötigen also eine warme trockene Behausung, ihren Eigenen Honig als Nahrung um gesund zu bleiben und sie dürfen Schwärmen um sich zu reproduzieren. Haben sie diese Voraussetzungen und werden durch den Imker nicht zu öft gestört und in Stress gebracht, stellt sich nach nicht zu langer Zeit offensichtlich ein gesundes Gleichgewicht zwischen Milbe und Biene ein. Darüberhinaus sind solche Völker auch gegen alle anderen Bedrohungen und Krankheiten bestens gerüstet.
Was hieße das für den Imker? Der Imker muss bereit sein auf einen Teil seiner gewohnen Honigerträge zu verzichten. Er muss sein Handeln überdenken und sich immer fragen, was ist gut für die Bienen. Er muss ausserdem seine Neugier im Griff haben, und die Bienen nicht unnötig stören. Im Idealfall lässt er sie schwärmen, dann muss er die Bienen das ganze Jahr fast nicht stören. Er lässt die Bienen so leben, wie sie es in der Natur auch tun würden. Und er braucht natürlich Geduld und Durchhaltevermögen.
Sein Lohn für diese Geduld und den Verzicht wären gesunde starke und wiederstandsfähige Bienenvölker. Gesunder behandlungsfreier Honig und weniger Ausgaben für Mittelwände, Behandlungsmittel, Königinnenkauf, Völkerkauf.

Wie wäre dies in der Realität umsetztbar? Für Groß- und Erwerbsimkereien wären soche Maßnahmen sicherlich schwierig zu bewerkstelligen, weil sie auf einen Gewinn angewiesen sind. Aber für kleine und Hobbyimker wäre es durchaus ein realistisches Projekt. Sie könnten sich in kleinen Gebieten und in Vereinen organisiern und Konzepte zur Naturnahen Imkerei entwickeln. Sie könnten ihre Beuten zu gesünderen Bienenwohnungen modifizieren und ihre Stöcke weiter verteilen um zu enge Aufstellungen zu vermeiden. Sie könnten sich Beratung zu Naturnahen Imkerei organisieren. Und sie müssten sich bei Völkerverlusten gegenseitig aushelfen.
Dadurch hätten sie die Chance auf gesunde stabile Bestände.